Mebendazol
Mebendazol
1971 wurde es in Europa zugelassen und revolutionierte bald die Behandlung von parasitären Infektionen. Breit wirksam und gut verträglich bei zahlreichen Darmparasiten wurde es in über 100 Ländern als Standardmedikament registriert und die WHO verwendete es in groß angelegten Gesundheitskampagnen, besonders Entwurmungskampagnen und Mebendazol ist heute noch eins der wirksamsten und sichersten Mittel.
Auch bei Krebszellen destabilisiert es das Gerüst der Krebs-Zellen, die Mikrotubulie - das Schienensystem auf dem Proteine, Organellen und Botenstoffe laufen und dieser Highway versinkt im Chaos. Bei der eh schon anfälligen Turbozellteilung der Krebszellen kann die mitotische Spindel nicht korrekt geformt werden. Die bei Krebs schnell und unkontrolliert ablaufende Zellteilung für schnelles Wachstum wird gestört. Die Zelle bleibt in der Zellyzklus Phase G2/M stecken (einige kennen diese Phase vielleicht noch aus dem Bio Unterricht in den 70er Jahren)
Zudem nutzen Krebszellen ebenfalls bei ihrer "unnatürlichen" Migration Mikrotubilie, um sich durch das Gewebe zu bewegen, Blutgefäße zu infiltrieren und Metastasen zu bilden.
Klassische "Chemos" destabilisiert Mikrotubulie ebenso oder frieren sie ein: Paclitaxel, Vinca-Alkaloide oder Taxane - jedoch mit deutlich schwerwiegenderen systemischen Nebenwirkungen.
Unter Mebendazol kommt es also zu einem nicht umkehrbaren Zellzyklus-arrest, der die Tumorzelle anfälliger macht für Signale zu sterben (Apoptose). Die Proteine Bak und Bax stimulieren die Freisetzung von Cytochrom C aus den Mitochondrien der Krebszellen und zwingen sie zu sterben (Nogueira 2023). Auch Blut- und Energieversorgung werden getroffen - durch weniger Gefäßneubildungen.
Studien belegen inzwischen die Wirksamkeit bei:
# Glioblastomen: übertrifft Temozolomid (Gallia et al 2021) durch den Angriff gegen die Schaltzentralen= die Krebsstammzellen, das Wachstum wird gestoppt (Penta et al 2024), und die Überlebenszeit verlängert. Eine Phase II Studie verabreichte 1500 mg über Monate beim Menschen (das Gehirn pumpt leider immer etwas über die Blut-Hirn-Schranke zurück).
Im COC Protokoll mit der ersten Anwendung von repurposed drugs bei Krebs - entwickelt von der Care Oncology Clinic, COC - sticht Mebendazol heraus, denn es war einer der wenigen Wirkstoffe, der relativ gut die Blut-Hirn-Schranke passieren konnte (COC auch bei Brust- und Lungenkrebs). Es konnte tiefer ins Hirngewebe eindringen als Vincristin und war nicht so toxisch für die gesunden Zellen. Erste Studien deuten daruf hin, dass eine Kombi mit Strahlentherapie + Temozolomid das Überleben deutlich verlängert. (Metformin senkte den Zuckerspiegel, Atorvastatin hemmte die Zellteilung(!), Doxyrubicin reduziert die Entzündung und blockiert die Regeneration).
Die METRICS Studie (Cibula et al 2005) zeigte bereits unter mindestens 12 Wochen COC ein längeres Überleben: 27 statt 15 Monate.
# bei Glioblastome multiforme verlängerte es in Tierstudien die Überlebenszeit und übertraf Temozolomid.
# triple negativer Brustkrebs: Mebendazol wurde (wie bei Glioblastomen) mit bis zu 1500 mg täglich gut vertragen.
# Bauchspeicheldrüsenkrebs: reduziert den Primärtumor, verhindert die Metastasierung, der Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit (Williamson et al 2021) und die Tumore schrumpften auch hier.
Die NEOMAX Studie von Prof Dr. Thomas Seufferlein untersuchte 2023 eine Kombi mir Gemcitabin bei therapie-refraktären Pancreas CA mit bis 400 mg Mebendazol mit deutlich verbessertem progressionsfreiem Überleben.
# Myosarkom: der Krebs des Muskelgewebes ist auf eine ständige Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen angewiesen, abr die Neubildung von Blutgefäßen wird verhindert. (Smith 2020).
# Prostatakrebs
# metastasierten Tumoren.
# Bei therapie-resistenten und aggressiven Formen hat es sein Potiential gezeigt.
# bei Magenkrebs übertrumpfte M. Chemos wie 5-Fluoruracil, Oxaliplatin und Paclitaxel bislang nur in Labortests(Sahin et al2024)
SYNERGIE: in präklinischen Modellen verstärkt Mebendazol die Wirkung von Chemos wie Cisplatin, Gemcitabin und Doxorubicin und zeigt eine deutliche Verbesserung gegenüber Monotherapien, denn es macht Tumorzellen weniger resistent und hemmt Signalwege wie mit WNT Catechin, was die Krebszellen empfindlicher gegen die Chemo macht.
Mebendazol wird nicht gut resorbiert (ins Blut). Daher eignet es sich gut, wenn es lokal im Magendarmtrakt (wie beim Dickdarmkrebs) wirken soll.
Zudem liegen für Mebendazol zur Zeit mehr Daten vor als bei Fenbendazol.
Jahrzehntelange Erfahrungen mit Mebendazol zeigen nur minimale (gelegentliche Übelkeit, leichte Bauchschmerzen, vorübergehende Erhöhung der Leberenzyme /Transaminasen) oder gar keine Nebenwirkungen auch bei Langzeitbehandlungen.
Die Standarddosierung 3x100 mg hat sich weltweit als sicher erwiesen, selbst bei Behandlungen bis zu einem Jahr wie bei Echinokokkose.
Selbst in Tiermodellen für Glioblastome, Bauchspeicheldrüsenkrebs und metastasierten Dickdarmkrebs gab es keine Zeichen von Giftigkeit bei bis zu 20 mgr/kg täglich = 1,5-2 gr/Tag = die 5- bis 7- fache Dosis, die zur Zeit beim Menschen im Maximum üblich ist - also besteht "noch Luft nach oben".
Oft werden deshalb auch 500 mg /Tag gegeben - das Problem: die kosten nur 2,50 Euro /Tag - eine Chemo "bringt" schon mal 100.000 Euro - ich kann mir vorstellen, dass Banker, Big Pharma- Lobbyisten und Aktionäre in Aufregung sind.
Dennoch: Leber, (Niere) und Blutbildwerte kontrollieren, besonders bei niedrig-gewichtigen Patienten und hohen Dosen über lange Zeit.
Das versucht man zu vermeiden mit verschiedenen Protokollen / Dosierungen - je nach Tumor /Stadium/ Körpergewicht/ Blutwerten:
# Einmal pro Woche die Dosis, die ich ihnen ausgesucht habe weglassen (es gibt 100 oder 250 mg).
# „3‑Wochen‑on / 1‑Woche‑off“.
# Je nach Protokoll werden 100 mg, 2x100mg oder mehr angewendet.
# Dosis gewichtsadaptiert errechnet oder nicht = Fixdosis.
# Weitere Varianten: In höheren Dosen wird es nur an 2-3 Tagen in der Woche eingesetzt.
# Nur an einem Tag 500mg oder 100 mg 2x